Die Erfahrungen von Laura Brunner

Portrait Laura Brunner ist 20 Jahre alt und studiert Ernährungswissenschaften. Nachdem sie während eines Urlaubs an Gewicht verlor, begann Laura Brunner ihr Essen stark einzuschränken und weiter abzunehmen. Durch ambulante Psychotherapien und einen Auslandsaufenthalt geht es Laura Brunner heute besser. Essen ist für sie weiterhin ein Thema, aber sie hat hilfreiche, kreative Tätigkeiten für sich gefunden, um ihren Körper zu spüren.

Mit sechzehn Jahren nahm Laura Brunner in den Sommerferien während eines Zeltlagers und Wanderurlaubs ungeplant ab. Sie erzählt, dass sie sich plötzlich in ihrem Körper besser fühlte, schönere Klamotten trug und in der Schule Komplimente bekam. In der Folgezeit begann sie, immer weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, und nahm weiter ab. Zunächst erlebte sie dadurch ein Hochgefühl, später begann ihre Stimmung zu schwanken. Sie beschreibt, dass sie zunehmend das Gefühl hatte, ihre Gefühle dadurch kontrollieren zu können, was und wieviel sie aß.

Laura Brunner erzählt, dass sie sich anfangs stark fühlte, mehr für die Schule tat und gute Leistungen ablieferte. Gleichzeitig fühlte sie sich immer öfter schlecht und kraftlos. Sie fror häufig und ihre Regel blieb aus. Sie nahm Abstand von ihrem Freundeskreis, da sie sich zunehmend entfremdet fühlte. Heute beschreibt sie ihren damaligen Zustand als „Tunnelblick“. Laura Brunner erzählt, dass irgendwann der Schmerz selbst, den sie beim Hungern verspürte, der Grund wurde, weiterzumachen: Nur so konnte sie sich noch spüren. Aus dem gleichen Grund begann sie, sich selbst zu verletzen. Als sie selbst langsam merkte, was mit ihr passierte, begann sie, sich in das Thema Essstörungen einzulesen. Trotzdem nahm sie ihren Zustand lange nicht als Krankheit wahr, sondern als Lebenseinstellung.

Ihre Eltern bemerkten während eines Urlaubs Laura Brunners geringes Gewicht und gingen mit ihr zum Arzt, der jedoch keine Diagnose stellte. Unterstützt von ihren Eltern begann sie dennoch mit einer ambulanten Psychotherapie, was sie als sehr hilfreich erlebte. Nach dem Abitur arbeitete sie im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes zwei Monate lang auf einer Farm. Durch die körperliche Arbeit auf dem Feld und den Kontakt mit den Menschen fühlte sie sich dort viel gesünder.

In der ersten Zeit ihres Studiums erlebte Laura Brunner Heißhungerattacken, bei denen sie auch Sachen ihrer MitbewohnerInnen aufaß, und begann, zuzunehmen. Sie fand es schlimm, ihren Körper als so unberechenbar zu erleben, konnte sich jedoch nicht „wehren“. Rückblickend sieht sie diese Phase als Teil ihres Heilungsprozesses.

Mittlerweile kann Laura Brunner Essen wieder genießen. Manchmal fühlt sie sich aufgebläht und sagt deswegen Termine ab. Gerade an schlechten Tagen ist sie froh, wieder therapeutische Begleitung zu haben. Sie ist sich aber sicher, nicht mehr in frühere Zeiten zurückzufallen. Ergotherapie, Singen und künstlerische Tätigkeiten sind für sie eine große Unterstützung, da sie ihr helfen, den eigenen Körper zu spüren.

Das Interview wurde im Herbst 2016 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Laura Brunner

Laura Brunner weiß, dass es nichts bringt, zu einer essgestörten Person zu sagen „Du musst in Behandlung gehen“, wenn diese selbst nicht möchte, dass es ihr bessergeht.

Laura Brunner sieht, wie schwer es für Angehörige ist, keinen Druck zu machen.

Laura Brunner verband ihre Stimmungen immer mehr mit Essen und versuchte, sie darüber auch zu kontrollieren.

Laura Brunner war klar, was sie hätte tun sollen, nahm die Essstörung jedoch lange nicht als Krankheit wahr.

Laura Brunner konnte sich erst nach einiger Zeit wirklich auf die Therapie einlassen.

Laura Brunner sagt, dass sie in der Therapie gelernt hat, ihre Gefühle zu spüren und auszusprechen.

Laura Brunner hilft die Ergotherapie, ihre Kreativität zuzulassen.

Laura Brunner bekam das Gefühl, dass die Dinge um sie herum wie bei einem Computerspiel nicht real waren.

Laura Brunner hörte auf, Musik zu machen, weil sie das an ihren Körper band, mit dem sie sich nicht beschäftigen wollte.

Laura Brunner entwickelte einen „Tunnelblick“, der ihr half, sich in der Schule zu konzentrieren. Für die Freunde blieb dann keine Aufmerksamkeit mehr übrig.

Laura Brunner erzählt, dass es ihr wichtig war, zu gemeinsamen Aktivitäten ihr eigenes Essen mitzubringen. Das machte spontane Treffen unmöglich.

Laura Brunner erzählt, dass es für sie immer noch anstrengend ist, in Gemeinschaft zu sein.

Laura Brunner hat sich nach und nach von ihren Freunden zurückgezogen.

Laura Brunner findet, dass sie sich durch die Krankheit selbst besser kennengelernt hat.

Laura Brunner schien der Schmerz durch den Hunger als eine Möglichkeit, sich selbst zu spüren.

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