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Hannah Becker erzählt, wie sie sich für die „kranken“ Gedanken in der Essstörung schämt.

Und so in Bezug auf die Essstörung war das schon auch so, dass meine Gedanken und mein Verhalten einfach nicht kompatibel waren. Und dafür habe ich mich extrem geschämt.
Was meinst du, deine Gedanken und dein Verhalten waren „nicht kompatibel“?
Ja, dass ich zum Beispiel gesagt habe: „Ja, hey, ich will gesund werden“, aber trotzdem nicht gegessen habe. Und trotzdem diese krassen Gedanken kamen eben mit: Ja, du wirst zu fett. Und das habe ich auch so noch nie eigentlich gesagt, dass diese Gedanken irgendwann aufkamen. Und die kamen halt irgendwann auf. Also sie waren auf keinen Fall von Anfang an da, aber je tiefer ich in die Essstörung gekommen bin, desto schlimmer sind diese Gedanken geworden. Und für die habe ich mich extrem geschämt, weil ich stand vor dem Spiegel, habe geflennt, habe gesehen, dass ich ungefähr nur noch ein Strich bin und dann kriege ich trotzdem so Gedanken in den Kopf wie: Ja, du kannst auf keinen Fall etwas essen, sonst wirst du zu fett. Und dafür habe ich mich extrem geschämt, für solche Gedanken. Und die hätte ich auch nie sagen können. Und auch jetzt das auszusprechen, dafür schäme ich mich eigentlich immer noch.
Und ich glaube, ich könnte das nicht meinen Freunden erzählen oder so meinem nächsten Umfeld, weil ich mich für diese Gedanken immer noch krass schäme, dass die da sind. Und ich glaube auch, dass diese Gedanken- also ich hoffe mal, dass die irgendwann weggehen. Wenn alles gut ist und es mir super gut geht, kommt kein solcher Gedanke. Aber sobald es irgendwie schwierig wird aus irgendeinem Grund, keine Ahnung, dass ich mich ungeliebt fühle oder einsam fühle oder so, kommen sofort solche Gedanken wieder hoch. Was ja absolut krank ist, weil ich mich ja objektiv betrachtet sehen kann und sehen kann, dass ich definitiv nicht zu fett bin oder ich überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden müsste, zu fett zu werden. Und für die schäme ich mich echt immer noch krass.

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