Die Erfahrungen von Ursula Böker

Portrait Ursula Böker ist zum Zeitpunkt des Interviews 73 Jahre alt. Sie ist verwitwet, hat zwei Söhne, von denen einer bereits verstorben ist, und drei Enkelkinder. Als der Diabetes festgestellt wurde, war sie 70 Jahre alt. Sie nimmt seitdem Tabletten.

 

Diabetes ist in Ursula Bökers Familie eine häufige Krankheit, die sie von ihrer Mutter, mehreren Tanten und ihrer Schwester kennt. Ihrer Mutter ging es mit dem Diabetes anfangs nicht gut, denn sie dachte, dass es besser ist, wenn sie kaum etwas isst. Die Tanten dagegen haben ihre Ernährung gar nicht umgestellt. Frau Böker erinnert sich an Feste, auf denen viel gegessen wurde. Bei ihrer Schwester war die Einstellung auf Medikamente schwierig und sie hat immer wieder Probleme mit den Blutzuckerwerten. Über die Ernährung denkt sie eher wie die Mutter.

Frau Böker hat nie gedacht, dass sie Diabetes kriegen würde, obwohl das nicht nur wegen der Erkrankungen in ihrer Familie seit langem ein Thema für sie war. ( ) Ihre Blutzuckerwerte wurden schon seit 20 Jahren beobachtet. Damals verlor sie ihren Mann. In dieser traurigen Zeit wurde zum ersten Mal ein erhöhter Blutzuckerwert bei ihr festgestellt. Auch danach fiel auf, dass der Blutzucker immer höher war, wenn es Frau Böker nicht gut ging. Besonders schlimm war es, als ihr Sohn vor einigen Jahren verstarb. Aber auch, als sie mit starken Schmerzen verbundene Knieprobleme hatte, schlug sich das in den Blutzuckerwerten nieder.

Der Diabetes zeigte sich bei Frau Böker unmittelbar vor der Diagnose durch eine große innere Unruhe. Die Diagnose erschreckte sie sehr. Sofort fiel ihr ihre Mutter ein und dass sie auf keinen Fall die gleichen Fehler machen wollte. Sie versucht, sich ausgewogen und fettarm zu ernähren und hat auch eine Ernährungsschulung besucht. Bei der Einstellung auf Tabletten hatte sie mehr Glück als ihre Schwester. Die beiden sprechen manchmal über den Diabetes. Sie sind sich einig, dass es wichtig ist, sich zu bewegen, gehen aber insgesamt eher unterschiedlich mit der Krankheit um. Frau Böker versucht, den Diabetes nicht so sehr in den Mittelpunkt zu stellen, während ihre Schwester eher ängstlich ist. Frau Bökers Arzt ist sehr zufrieden damit, wie ihr Diabetes verläuft und das beruhigt sie. Sie fühlt sich nicht krank.

 

Das Interview wurde im Herbst 2009 geführt.

 

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