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Die schulischen Erfahrungen prägen sehr stark das Denken an die berufliche Zukunft. Für Sarah Herzberg ist jetzt schon klar, dass man bei der Berufswahl genau hingucken muss, um nicht später permanenten Frust zu erleben.

Sarah Herzberg: Und ich für mich ja sagen kann, dass jetzt aus mir nicht nichts geworden ist. Nur hätte ich vieles früher gewusst, also schon vor 30 Jahren, wäre es für mich natürlich leichter gewesen auch vieles zu verstehen: warum ich immer gleich zwei oder drei Berufe gleichzeitig machen muss und nebenher noch sechs Kinder habe. Heute weiß ich, warum das so ist. Aber damals habe ich es natürlich nicht gewusst. Und wenn man mit dem Bewusstsein auch so ins Berufsleben startet, dann kann man bewusster sich den richtigen Beruf suchen, glaube ich, weil bestimmte Berufe einfach für ADHS-Menschen nicht geeignet sind. Also es macht keinen Sinn Finanzbeamter zu werden, wo ich nur ruhig sitzen muss und nach Zahlen starre, sondern tatsächlich definitiv etwas zu machen, wo ich eben auch mich körperlich interaktiv irgendwie bewegen und beteiligen muss. Dass man da vielleicht bei Zeiten hinguckt und schaut, wo sind denn jetzt noch die Stärken der Kinder, dass man sie auch so ein bisschen in die Richtung lenken kann. Eben das man weiß, dass sie ihre Stärken im verbalen Bereich haben, dass man natürlich etwas aussucht, wo man weiß, dass sie speziell viel Kontakt mit anderen Menschen haben. Das macht natürlich Sinn, dahin zu gucken und das hätte ich mir doch gewünscht, dass es das damals bei mir auch schon gegeben hätte, aber hatte es nicht. Und durch dummen Zufall habe ich aber trotzdem die richtigen Berufe für mich erwischt. Da war schon eine gewisse Suche dabei, aber letztendlich habe ich die richtigen Berufe.
Interviewer: Es wäre aber einfacher gewesen.
Sarah Herzberg: Es wäre erheblich einfacher gewesen, ja natürlich. Ich hätte es auch in der Schule einfacher gehabt, weil ich dann gewusst hätte, warum ich denn nicht in der Lage bin, eine Mappe ordentlich zu führen. Also diese Problematik haben wir jetzt natürlich. Also die wissen, mit dem Deckblatt – hören sie bloß auf – und die Zettel, die fehlen auch immer alle. Bevor Mappen abgegeben werde müssen, müssen wir uns immer von anderen Kindern die Mappen ausleihen, um dann unsere auf Vordermann zu bringen. Das habe ich als Kind genauso gehabt. Ich war auch nicht in der Lage, meinen Schrank aufzuräumen. Also meine Mutter ist an mir verzweifelt. Das sie immer wieder sagte: „Kind, räume doch mal deinen Schrank auf." Nein, das habe ich nicht so hingekriegt. Aber ich war sonst immer sehr zuverlässig. Also wenn ich irgendwas erledigen musste: ich habe das zuverlässig erledigt. Das war nicht die Frage. Aber es ist schon, wo man natürlich auch hingucken muss.
Dass sie gerade was die Berufswahl angeht, genau hingucken müssen, weil es sonst darauf hinaus läuft, dass die Kinder permanentem Frust ausgesetzt sind, unglücklich sind. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie eben in einigen Dingen vielleicht sprunghafter sind als andere – im Übrigen auch, was Bindungen angeht. Es ist also auch bekannt, dass ADHS-Menschen öfter dazu neigen, zum Beispiel den Partner zu wechseln. Dass sie nicht in der Lage sind längerfristige – also einen für immer –, sondern tatsächlich, warum auch immer das so ist. Es gibt Studien dazu, die das belegen. Punkt. Also insofern glaube ich schon, dass es eine gewisse Beeinflussung des späteren Lebens gibt. Ganz sicher. 

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